AT 2021 in Mulhouse

Ausstellung Frugalité créative – Weniger ist genug

Foto: Jean-Baptiste Dorner

Ein deutsch-französisches Projekt zur frugalen Architektur

Zum Ursprung des Projekts

Dominique Gauzin-Müller (Architektin und Publizistin), Alain Bornarel (Ingenieur) und Philippe Madec (Architekt und Stadtplaner) haben im Januar 2018 das “Manifest für eine glückliche und kreative Genügsamkeit“ verfasst. Die Idee entstand infolge der Erkenntnis, dass der Bausektor etwa 40% der Treibhausgase und 40% der Abfälle erzeugt und damit mehr als 40% der Ressourcen verbraucht. Mit dem Bewusstsein der Umweltschädlichkeit dieses Modells auf einem endlichen Planeten plädieren die Vorreiter/-innen einer ökologisch verantwortlichen Architektur für mehr Sparsamkeit im Umgang mit bebauten Flächen, Energie, Materialien und Technik. Mehr als 12.000 Fachleute und Mitglieder der Zivilgesellschaft haben das Manifest unterzeichnet.
Der Bund deutscher Architekten (BDA) hat im Mai 2019 einen Text mit ähnlichem Inhalt unter dem Titel “Haus der Erde – Positionen für eine klimagerechte Architektur in Stadt und Land” veröffentlicht.

Ein ambitioniertes Ziel

Das gemeinsame Ziel ist eine Architektur, die respektvoller mit natürlichen Ressourcen umgeht, die das Wissen aus vernakulären Bauten nutzt und ein Gleichgewicht zwischen Tradition und Moderne sucht.

In diesem Zusammenhang haben das Institut français Stuttgart und die Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe gemeinsam die Wanderausstellung “Frugalité créative – Weniger ist genug” ins Leben gerufen. Mit der Unterstützung der Baden-Württemberg Stiftung und des Deutsch-Französischen Bürgerfonds fördert dieses Projekt den deutsch-französischen Austausch und beleuchtet die verschiedenen Positionen anhand von Beispielen frugaler Architektur, die auf beiden Seiten des Rheins entstanden sind. Die Kuratorinnen Dominique Gauzin-Müller und Kyra Bullert zeigen 20 beispielhafte Bauten in Frankreich (Grand Est) und 15 im deutschsprachigen Raum (Baden-Württemberg, Schweiz und Vorarlberg) im Rahmen der Ausstellung.

Eine zweisprachige Wanderausstellung

Diese zweisprachige Ausstellung wird am 15. März 2021 im Wechselraum des BDA in Stuttgart eröffnet. Danach reist sie am 3. Juli nach Karlsruhe in die Hochschule für Gestaltung und anschließend durch die gesamte französische Region Grand Est, wo sie in der Maison de l’architecture de Lorraine in Nancy, in der Maison de l’architecture de Champagne-Ardenne in Châlons-en-Champagne und in Mulhouse im KMØ im Rahmen der Architekturtage des Europäischen Architekturhaus – Oberrhein empfangen wird. Bei jedem Zwischenstop ihrer Reise wird die Ausstellung von Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops und Exkursionen begleitet.

Während der Architekturtage 2021 ist die Ausstellung vom 15. Oktober bis zum 15. November 2021 im KMØ in Mulhouse zu sehen, und wird am 15. Oktober mit einer Vernissage und einer Konferenz mit Philippe Madec eröffnet. In Partnerschaft mit Motoco sollen Workshops zur Einführung und Sensibilisierung für Expert/-innen und ein breites Publikum zum Thema Bauens mit natürlichen Materialien (Erde, Holz, Stroh, Stein usw.) angeboten werden.

Der Kontext

Auf regionale Ressourcen und traditionelle Bautechniken zurückzugreifen ist eine Strategie, die in der Architektur an Bedeutung gewinnt. In Deutschland und erst recht in Frankreich werden immer mehr Gebäude nach dem Prinzip der “Frugalität” gebaut: Reduzierung des Flächen-, Rohstoff- und Energieverbrauchs. Kurze Lieferketten und der Einsatz regionaler Materialien helfen, Kosten und Schadstoffemissionen zu reduzieren und dabei lokale Arbeitsplätze zu schaffen.

Bauen mit Strohballen? Skeptiker gibt es immer noch viele, aber Hunderte von großen öffentlichen Einrichtungen und Sozialwohnungen, die im letzten Jahrzehnt in Frankreich gebaut wurden, sind mit diesem reichlich vorhandenen Nebenprodukt der Landwirtschaft gedämmt.

Das “Manifest für eine glückliche und kreative Genügsamkeit” ist der Ausgangspunkt des Projekts. Es appelliert an eine kollektive Intelligenz, denn “die Genügsamkeit lehnt den technologischen Ansatz ab und setzt auf die aktive Beteiligung der Nutzer. Nicht das Gebäude ist intelligent, sondern seine Bewohner”, schreiben die drei Co-Autoren in ihrem engagierten Text, der im Januar 2021 bereits von mehr als 12.000 Menschen weltweit unterzeichnet wurde (www.frugalite.org).

Ausstellung Frugalité créative – Weniger ist genug, BDA Stuttgart

Exposition Frugalité créative – Weniger ist genug, BDA Stuttgart

Die Kuratorinnen

Dominique Gauzin-Müller

Die französische Architektin und Publizistin lebt seit 1986 in Stuttgart und hat bereits 19 Bücher zum Thema Nachhaltigkeit veröffentlicht, darunter „L‘architecture écologique“ (Moniteur 2001), das in acht Sprachen übersetzt wurde. Von 2007 bis 2016 war sie Chefredakteurin der Zeitschrift „EcologiK/EK“ und leitet seitdem die Kollektion „Transition écologique et sociétale“ (Ökologische und gesellschaftliche Wende), die vom Verlag MUSEO herausgegeben wird. Sie ist Honorarprofessorin des UNESCO-Lehrstuhls „Lehmarchitektur, Baukulturen und nachhaltige Entwicklung“ und lehrt an der Straßburger Architekturschule und an mehreren internationalen Universitäten (Marrakesch, Linz, ETH Zürich). Sie organisierte den TERRA Award, den ersten internationalen Preis für zeitgenössische Lehmbaukunst, der Gegenstand eines Buches und einer Wanderausstellung war, die im Herbst 2018 in der ifa-Galerie in Stuttgart präsentiert wurde. Anschließend koordinierte sie den FIBRA Award, den weltweit ersten Preis für zeitgenössische Architektur aus Pflanzenfasern.

Kyra Bullert

Sie hat an der Universität Stuttgart sowie in Paris Architektur studiert und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens der Universität Stuttgart. Neben ihrer Lehrtätigkeit arbeitet sie als selbstständige Architektin in Stuttgart und hat zahlreiche Projekte realisiert, u.a. den preisgekrönten Umbau des französischen Generalkonsulats und des Institut français in Stuttgart. Als Kuratorin und Mitglied des Ausstellungsbeirats der Architekturgalerie am Weißenhof war sie u.a. verantwortlich für Ausstellungen zur physiologischen Raumwahrnehmung (Philippe Rahm) zu den viel beachteten Transformationsprojekten umstrittener Nachkriegsbauten in Frankreich (Druot, Lacaton & Vassal) und zu Projekten einer jungen und aufstrebenden französischen Architektengeneration (NP2F).

Entdecken Sie mehr auf der Webseite der Wanderausstellung Frugalité créative – Weniger ist genug!

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