Die Highlights

Eduardo Souto de Moura

Abschlussabend
31. Oktober – Oberrheinhalle Offenburg
Eduardo Souto de Moura – Ich baue immer Mauern
Geborgenheit zwischen Mauern und Innenhöfen

„Ich baue immer Mauern. Es gelingt mir nicht, einfach nur ein Haus zu bauen. Ich brauche ein Zentrum. Es kann ein Stein oder ein Baum sein. Aber es gelingt mir nicht, ein Haus isoliert zu bauen, weil ich immer mit Begrenzungen lebte. Ich weiß nicht, ob es ein Gefühl der Sicherheit oder etwas anderes ist.“ Eduardo Souto de Moura

Ob bei der Umsetzung von Einfamilienhäusern oder beim Bau von Großprojekten wie Fußballstadien und Staudämmen: Für Eduardo Souto de Moura ist die Mauer das zentrale Element und der Stein das wichtigste Material. Während er mit Marmor und Granit natürliche Steine einsetzt, verwendete er auch Beton als künstlichen Stein für die Umsetzung seiner formellen Konzepte.

Eduardo Souto de Moura wurde 1952 in Porto geboren, wo er auch als Professor an der Hochschule für bildende Künste arbeitet. 2011 erhielt er den Pritzker-Preis, der im Bereich der Architektur dem Stellenwert des Nobelpreises gleichkommt. In der Begründung beschreibt die Jury des bedeutendsten Architekturpreises Souto de Mouras Stil als monumental, draufgängerisch und doch zugleich feinfühlig. 2013 erhielt Eduardo Souto de Moura den Wolf-Preis, von dem jährlich fünf Exemplare für Verdienste zum Wohle der Menschheit vergeben werden. Souto de Mouras Bauten bestechen durch ihren schlichten und nüchternen Stil. Neben der Einfachheit sucht der portugiesische Architekt nach einer Reduzierung der

Formensprache und interpretiert dabei Traditionen der regionalen Baukultur Portugals auf moderne Weise. Das historische Erbe ist für ihn eine wichtige Information, die die Zukunft weist und die es somit zu erhalten gilt. Er sieht sich in der Tradition des Modernismus und des deutschen Bauhausarchitekten Mies van der Rohe.

In seiner architektonischen Tätigkeit beschäftigt er sich viel mit dem sinnvollen Einsatz von Wandöffnungen, also Fenstern und Türen. Im Laufe seiner Schaffensphase ging er immer mehr dazu über, die Fensterflächen zu reduzieren und näherte sich so stärker den regionalen und klassischen Hausformen an. Zentral in Eduardo Souto de Mouras Werk ist die Idee der Behaglichkeit. Besonders gerne baut der Pritzker-Preisträger Häuser mit
Innenhöfen. Innenhöfe sind Häuser ohne Dach und dienen als Filter und Übergang zwischen privatem und öffentlichem Raum. Diese Auffassung passt perfekt zum diesjährigen Thema der Architekturtage „Übergänge“.

Anlässlich der Fußballeuropameisterschaft 2004 entwarf Eduardo Souto de Moura das Fußballstadion von Braga in Portugal, welches ihm große Bekanntheit einbrachte. Das Bauwerk, das halb in den Fels gesetzt ist, hat er mit einem Dach ausgestattet, das die Versorgung des Rasens durch natürliches Licht ermöglicht. Zu seinen bekanntesten Bauten zählen ebenfalls das Kinohaus für den Filmemacher Manoel de Oliveira sowie das Museum Paula Rêgo, in dem Werke der gleichnamigen Künstlerin ausgestellt werden.

Letzteres wirkt durch seine nahezu fensterlose Fassade und seinen pyramidenartigen Aufbau sehr monumental. Noch dieses Jahr wird der von ihm entworfene Neubau für die Scène nationale von Clermont-Ferrand fertiggestellt werden. Trotz seiner Großaufträge plant Eduardo Souto de Moura auch weiterhin Einfamilienhäuser, die ihn zu Beginn seiner Laufbahn bekannt machten. Denn für ihn ist Architektur in erster Linie gestalterische Arbeit für Menschen und die Geschichte der Häuser macht in seinen Augen die Geschichte der Architektur aus.

In seinem Schaffen reagiert Eduardo Souto de Moura auch auf Krisensituationen. So sah er nach dem Sturz der portugiesischen Diktatur in der Architektur eine Chance, ein neues Land aufzubauen. Auch als Reaktion auf die Eurokrise, die Portugal schwer traf, müsse eine neue Art des Bauens gefunden werden, so der Pritzker-Preisträger.

Der Abschlussabend der Architekturtage am 31. Oktober mit einem Vortrag des
portugiesischen Architekten Eduardo Souto de Moura wird in der Oberrheinhalle Offenburg stattfinden. Der Pritzker-Preisträger (2011) wird auf Französisch sprechen und simultan auf Deutsch gedolmetscht werden. Der Abend, der musikalisch von Studenten der ENSAS Strasbourg (eine der beiden Architekturhochschulen) gestaltet wird, bietet einen feierlichen Abschluss der Architekturtage.